Markus Lippert

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Neuen Rasen braucht das Land

Sommer.....Samstag Nachmittag in Deutschland.

Gurgelndes Glucken zieht sich über erhitzte Hofflächen. Knisterndes Klacken wird aus den Geräte-Boxen hörbar und verwandelt sich zu vibrierendem Summen. Die Fahrzeuge rollen in Startposition.

Schwarzweißer Stoff schwebt regungslos in der flirrenden Luft. Das Glucken schwillt beständig zum Urschrei.

Eine atemlose Sekunde, der Stoffetzen saust nieder und ein Inferno bricht über die grüne Ebene hinein.

Hunderttausend Männer öffnen den Gashahn und lösen die Bremse. Sekundenpünktlich graben sich in der gesamten Republik kuchentellergroße Räder in den Boden und starten zum wöchentlichen Grand Prix du Gazon, dem großen Showdown für Aber-Billionen von Grasspitzen.

Es ist fünfzehn Uhr mitteleuropäischer Zeit, die öffentlich beställte Mittagsruhe überwunden. Meter um Meter ziehen PS-starke Boliden mit singendem Ton ihre schnurgeraden Bahnen durch den Rasen. Dampfender Schweiß füllt die gerötete Stirn der Piloten. Fahrige Handbewegungen zeigen, dass wieder eine gemeine Stechmücke den Weg in die angeschwollenen Adern gefunden hat.

Am Sammelstopp häuft sich des Schnitters Tagewerk und ein letztes Mal kreuzt der Lenker seinen Querweg im rechten Winkel. Das Geräusch der Maschinen erstirbt. Den leicht begrünten Unterarm zittrig über die Stirn ziehend, schweift der Blick voll innerer Zufriedenheit über die gleichmäßige Fläche.

Dann zieht es den Erschöpften mit schweren Schritten zum nahen Begrenzungszaun, um seinem direkten Kontrahenten die Hand zu reichen. Zischend lösen sich die Kronenkorken von den Siegerflaschen Warsteiner Landchampagners. Und die Gladiatoren lassen den kühlenden Gerstensaft über die rauhen Kehlen fließen. Das gurgelnde Glucken kehrt zurück zu seinen menschlichen Ursprüngen.

Dem Deutschen ist sein Rasen wichtig. Nicht unbedingt, dass er ihm heilig ist, aber es kommt ihm eine große Bedeutung für das persönliche Selbstwertgefühl zu.

Denn, nach Auto, Haus, Einbauküche und Urlaubsfotos ist er ein wichtiger Bestandteil des Nachweises eines erfolgreichen Lebens. Man schaut nun mal auf ihn. Vom Zaun aus. Oder vom Fenster. Oder vom Grillplatz, Rollliege und überhaupt.

Am Beispiel des Rasens kann der Deutsche Reinlichkeit und Zuverlässigkeit, Kompetenz und Detailgenauigkeit dokumentieren. Dabei ist es egal, ob es sich um den englischen Parkrasen, die thüringisch-ökologische Wildwuchswiese, den westfälischen Weiderasen, den Allgäuer Kräuterhang, oder die Mecklenburger Blumenwiese handelt.

Intensivgespräche bei Harke und Spaten über die optimale Neuanlage, die beginnende Düngesaison oder das punktgenaue Vertikutieren werden nur übertroffen durch das PS-Philosophieren bei geöffnetem Motorblock des chromblitzenden Aufsitzmähers.

Hier sieht’s übrigens genauso aus, wie beim Umgang mit dem Automobil. Der Rasenmäher scheint am Ende seiner natürlichen Entwicklung angekommen zu sein und der Komfort oder die nette technische Spielerei machen den feinen Unterschied.

Mähen können sie alle. Und leise sind sie weitestgehend auch (was gar nicht so wichtig ist – siehe Einleitung). Ähnliches zeigt sich beim Rasen. Früher mussten wir noch Bäume abholzen, um Licht aufs Gras zu bekommen.

Heute bietet uns die Industrie perfekten Dunkelrasen. Und das praktische Kleinlabor zur privaten Bodenanalyse steht dem Chemiekasten der Kids in nichts nach. Vorbei ist auch die Zeit des natürlichen Wartens. Wenn die Familie mit Sekt und Kinderpunsch die ersten zarten grünen Spitzen in den Krumen vor dem Neubau begrüßte. Heute rollen wir die Wiese am Tag vor dem Einzug aus und die Einweihungsgäste müssen Brot und Salz nicht mehr im Schlamm verteilen. Bald – so munkelt man – gibt es dann auch den umzugsfähigen Spitzenrasen Marke Botschaftssekretär, der den Menschen als treue Hängemattenunterlage ein Leben lang begleitet.Nun denken Sie, der Autor sei ein recht zeitkritisches Anti-Rasen-Geschöpf aus einer fremden Welt? Weit gefehlt. Auch er wird am nächsten Samstag wieder die Staubbrille anziehen, mit voller Kraft den Starter ziehen und seine Bahnen ziehen. Rechtwinklig und akurat.

Damit Sie sich optimal auf die Rasendiskussion dieser Saison vorbereiten können und nicht nur beim Nachbarn was vom Gras wachsen hören. Sprechen Sie auch mal mit Ihrem Rasen drüber!

Manfred Eckermeier

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